Aufträge finden im Handwerk: Portale, Empfehlung, eigene Website.
Es gibt nicht den einen Kanal für neue Aufträge. Wer weiß, wie jeder Weg funktioniert und was er kostet, entscheidet gezielter, wo sich Zeit und Geld lohnen. Hier ist ein nüchterner Vergleich.
Fünf Wege zu Aufträgen
Die meisten Betriebe nutzen mehrere Wege gleichzeitig. Sie unterscheiden sich darin, wer die Anfrage steuert, was sie kostet und wie viel Arbeit sie macht.
- Empfehlung: Zufriedene Kunden erzählen weiter. Das kostet kein Geld, lässt sich aber kaum planen.
- Google-Unternehmensprofil: der Eintrag mit Karte, Öffnungszeiten und Bewertungen. Kostenlos, braucht aber Pflege. Mehr dazu im Artikel Google Maps und Unternehmensprofil.
- Eigene Website: erklärt Ihre Leistungen und nimmt Anfragen direkt entgegen. Sie kostet einmal in der Erstellung, danach gehört sie Ihnen.
- Handwerkerportale und Auftragsbörsen: Kunden stellen dort ihren Auftrag ein, Betriebe melden sich darauf. Sie zahlen pro Kontakt oder eine Mitgliedschaft.
- Öffentliche Ausschreibungen: Kommunen, Land und Bund vergeben Aufträge nach festen Regeln. Viel Formalität, dafür nachvollziehbare Verfahren.
Handwerkerportale: wie sie abrechnen
Portale bringen Ihnen Anfragen von Menschen, die gerade jemanden suchen. Dafür bezahlen Sie, und zwar nach sehr unterschiedlichen Modellen. Drei Beispiele, jeweils nach den eigenen Angaben der Anbieter, abgerufen am 20. Oktober 2026:
- MyHammer berechnet laut seinen AGB für Handwerker (Stand Februar 2026) eine Kontaktgebühr für jeden „Bestätigten Kontakt“ mit einem Auftraggeber. Die Höhe richtet sich nach Umfang, Wert, Kategorie und Ort des Auftrags und wird vorher angezeigt. Daneben gibt es Abonnements mit monatlicher Grundgebühr und einem Guthaben für Kontaktgebühren. Nicht verbrauchtes Guthaben verfällt am Monatsende.
- CHECK24 Profis erhebt nach eigener Darstellung keine Anmelde- und keine Monatsgebühr. Kosten entstehen, wenn ein Kunde sein Interesse bestätigt. Die Höhe hängt laut Anbieter von Dienstleistung, Auftragsvolumen und Marktsituation ab und wird auf der Seite nicht beziffert.
- Blauarbeit arbeitet mit einer Mitgliedschaft: 99 € im Monat im Jahrespaket oder 149 € im Monat im Monatspaket. Ob die Preise netto oder brutto gelten, steht nicht auf der Seite.
Preise und Bedingungen ändern sich. Prüfen Sie vor einer Anmeldung die aktuelle Preisseite und die AGB des jeweiligen Portals.
Für wen Portale passen
Portale helfen, wenn Sie schnell Auslastung brauchen, etwa nach der Gründung oder in einer ruhigen Phase. Auf eine Anfrage melden sich oft mehrere Betriebe. Sie stehen also im direkten Vergleich, häufig über den Preis.
Worauf Sie achten sollten
- Wofür genau zahlen Sie: für die Anfrage, für den Kontakt oder für den Zugang zur Plattform?
- Wie lange läuft der Vertrag, und wie kündigen Sie?
- Verfällt bezahltes Guthaben, wenn Sie es nicht nutzen?
- Wie viele andere Betriebe erhalten dieselbe Anfrage?
- Rechnen Sie nach einigen Monaten nach: Was hat ein tatsächlich erteilter Auftrag über das Portal gekostet?
Welches das beste Handwerkerportal ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Es hängt von Ihrem Gewerk, Ihrer Region und der Größe Ihrer Aufträge ab. Ein Test über wenige Monate mit sauberer Rechnung sagt mehr als jeder Vergleich.
Öffentliche Ausschreibungen
Öffentliche Auftraggeber schreiben ihre Aufträge nach Vergaberecht aus, Bauleistungen in der Regel nach der VOB/A. Die Bekanntmachungen können Sie auf den Vergabeplattformen kostenlos durchsuchen, zum Beispiel:
- service.bund.de: Suche nach Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber.
- vergabe.Niedersachsen: Vergabeplattform in Niedersachsen, auf der neben Landesbehörden auch Landkreise und Städte ausschreiben.
- TED: europaweite Bekanntmachungen für größere Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte.
Der Aufwand ist höher als bei einer Portalanfrage: Sie lesen Leistungsverzeichnisse, kalkulieren nach Vorgabe, reichen Nachweise ein und halten feste Fristen, oft mit elektronischer Abgabe. Eine Präqualifikation, etwa über den PQ-Verein, kann die wiederkehrenden Nachweise vereinfachen.
Ausschreibungen passen vor allem zu Betrieben, die mit Formularen gut zurechtkommen und Projekte dieser Größe stemmen können.
Die eigene Website: Ergänzung oder Ersatz für Portale?
Auf einem Portal stehen Sie neben anderen Betrieben, auf Ihrer eigenen Website nicht. Wer dort anfragt, hat sich bereits mit Ihrem Betrieb beschäftigt, und für die Anfrage zahlen Sie keine Gebühr.
Dafür muss die Website gefunden werden und drei Dinge zeigen:
- Leistungsseiten: Jede wichtige Leistung bekommt eine eigene Seite, die erklärt, was Sie machen und für wen.
- Einsatzgebiet: Orte und Umkreis stehen sichtbar auf der Seite, damit Kunden und Suchmaschinen sie zuordnen können.
- Formular mit den richtigen Angaben: Es fragt ab, was Sie für eine erste Einschätzung brauchen, etwa Fläche, Art der Arbeit oder ein Foto.
Ob die Website Portale ersetzt, hängt davon ab, wie gut sie gefunden wird. Am Anfang laufen beide Wege meist nebeneinander. Woran es liegt, wenn eine Website keine Anfragen bringt, lesen Sie im Artikel Warum Ihre Website keine Anfragen bringt.
Beispiel: Warme Füße aus Oldenburg
Der Betrieb hinter Warme Füße fräst Fußbodenheizungen nachträglich in bestehende Böden ein. Die Website, die ich dafür gebaut habe, erklärt genau diese eine Leistung: eine Überschrift mit Verfahren und Region, ein Vergleich mit dem Heizkörper, der Ablauf in sieben Schritten und ein Formular, das die Fläche abfragt. Die Anfrage geht direkt an den Betrieb, ohne Portal dazwischen.
Entscheidungshilfe
| Weg | Kosten | Aufwand | Kontrolle |
|---|---|---|---|
| Empfehlung | keine direkten Kosten | gute Arbeit, Kunden aktiv um Weiterempfehlung bitten | gering: lässt sich kaum planen |
| Google-Unternehmensprofil | kostenlos | Angaben aktuell halten, Fotos, Bewertungen beantworten | mittel: Google bestimmt Darstellung und Reihenfolge |
| Eigene Website | einmalig für die Erstellung, dazu Domain und Hosting | Inhalte aktuell halten, Anfragen schnell beantworten | hoch: Inhalte, Formular und Anfragen gehören Ihnen |
| Portale | je Kontakt oder Mitgliedschaft, siehe oben | schnell reagieren, viele Angebote schreiben | gering: Das Portal bestimmt Regeln und Preise |
| Öffentliche Ausschreibungen | keine Gebühr für die Suche auf den Vergabeplattformen | hoch: Unterlagen, Kalkulation, Fristen | mittel: feste Regeln, dafür nachvollziehbar |
Mein Rat: Bauen Sie zuerst die Wege aus, die Ihnen gehören, also Empfehlung, Unternehmensprofil und Website. Portale nutzen Sie gezielt, wenn Sie Auslastung brauchen, und rechnen nach, was ein Auftrag dort gekostet hat.
Wie eine Website für Ihren Betrieb aussehen kann, zeigt die Seite Website für Handwerker. Was sie kostet, erkläre ich unter Was kostet eine Website für einen Handwerksbetrieb?
Quellen
- MyHammer: Allgemeine Geschäftsbedingungen für Handwerker und Dienstleister (Stand Februar 2026), Ziffer 5, abgerufen am 20. Oktober 2026
- CHECK24: CHECK24 für Handwerker, abgerufen am 20. Oktober 2026
- Blauarbeit: Unsere Mitgliedschaften, abgerufen am 20. Oktober 2026
- service.bund.de: Ausschreibungen suchen, abgerufen am 20. Oktober 2026
- vergabe.Niedersachsen, abgerufen am 20. Oktober 2026
- TED (Tenders Electronic Daily), abgerufen am 20. Oktober 2026